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Plastikflaschen aus Plastikflaschen? Keine einfache Aufgabe für die Industrie!

Die Studierenden aus meinem 2018/2019-Kurs für Nachhaltige Abfallwirtschaft an der Leuphana Universität Lüneburg haben jetzt fast ein Jahr Grundlagen der Abfallwirtschaft kennen gelernt; jeder von ihnen hat in einem der drei transdisziplinären Projekte mit angepackt, um abfallwirtschaftliche Probleme unserer diesjährigen Praxispartner zu lösen. Zeit für eine Exkursion in die Industrie, bevor die Prüfungen anstehen!

In der Sortier- und Aufbereitungsanlage der REMONDIS PET Recycling GmbH in Hamburg-Wilhelmsburg werden gebrauchte PET-Einwegflaschen nach Farben sortiert, die Schraubkappen entfernt, Fremdstoffe abgetrennt, die so vorbereiteten Flaschen geshreddert, Etikettenreste entfernt und die Flakes für die Extrusion zu neunen PET-Produkten weiter verkauft. Die Studenten konnten viele der Aggregate sehen, die wir im Rahmen der Vorlesung durchgenommen hatten – und das Ganze funktioniert wirklich! PET-Flaschen haben den großen Vorteil, dass sie wegen der Bepfandung getrennt von anderen Abfällen erfasst werden. Verschmutzungsgrade um 35%, wie wir sie  von der „gelben Tonne“ kennen, gibt es hier nicht. Aber der technische Aufwand ist dennoch hoch: Soll aus den PET-Flakes wieder eine Getränkeflasche entstehen, braucht man ein absolut sauberes und farbreines Material, geeignet für die Verpackung von Lebensmitteln. Minderwertigere PET-Qualitäten werden u.a. für die Produktion von PET-Fasern für Autositz-Bezüge oder Textilien verwendet. Sortierreste gehen teilweise in die energetische Verwertung, immerhin noch Strom und Fernwärme für Hamburg.

Das Recycling von PET-Flaschen ist ein Vorzeigeprojekt: Hier kommt man auf hohe Recyclingquoten – bei Kunststoffen aus Verpackungen liegt man in der stofflichen Verwertung nach wie vor unter 20%. Die Diskussion der Studierenden mit Herrn Tjerk Kuhlemann von REMONDIS Recycling drehte sich dann neben technischen Fragen vor allem um die möglichen Schritte zur Verbesserung des Kunststoff-Recyclings allgemein. Das setzt voraus:

-          einheitlichere Materialien (statt vielfach verklebten Multikomponenten-Folien),

-          Kennzeichnung aller Inhaltsstoffe der (gebrauchten) Produkte,

-          ein Sammelsystem ohne wesentliche „Fehlwürfe“ (im Gegensatz zur „gelben Tonne“),

-          Akzeptanz Sekundärrohstoffe bei den Produzenten und Akzeptanz solcher Produkte durch die Konsumenten.

Die zukünftigen Umweltwissenschaftler aus meinem Kurs haben hier ein riesiges Aufgabenfeld. Dazu gehört auch, die Erkenntnis, dass Abfallverwertung mit dem Produktdesign anfängt, endlich ernst zu nehmen.